Beziehungen und qualitatives Wachstum

Im letzten Jahundert erkannte die Psychologie viele Verbesserungsmoeglichkeiten in der Welt der Beziehungen und beschrieb sie. Es ist die Aufgabe dieses Jahrhunderts diese Erkenntnisse und Erleichterungen in den Lebensalltag unserer Gemeinschaft einfliessen zu lassen und Beziehungsstoerungen zu erkennen und zu beheben.

Psychische Stoerungen koennen letztlich als Beziehungsstoerungen verstanden werden und entstehen auch als solche. Im Kern des psychischen Problems laesst sich immer auch die Beziehungsstoerung finden. Die Stoerung kann traumatischer Art, also unerwartet, oder durch Mangel an Beziehungswissen initiiert werden. In beiden Faellen ist das Beziehungsverstaendnis unmoeglich und das Zurechtfinden in der Gesellschaft dadurch behindert. Dies kann zur Teil- oder Ganzisolation fuehren, je nach Gemuetslage.

Doch brauchen sich Betroffene nicht isoliert zu fuehlen. Bis zu 95% aller Menschen in unserer Gemeinschaft tragen Spuren von Selbst-Isolationstendenzen und schliessen sich somit selbst aus von fuer sie wichtigen Entwicklungskontexten oder koennen durch mangelndes Bewusstsein einen Ausschluss nicht verhindern. Sie werden so um den ihnen angemessenen und moeglichen Beitrag an die Gemeinschaft gebracht und damit um die rueckwirkende Belohnung - fuehlen sich in der Folge unerfuellt und unzufrieden.

Darum bilden die Unerfuellten auch die groesste Gemeinschaft, nur wissen sie es nicht, weil Unzufriedene sich ja von der Gemeinschaft ausschliessen - ein Paradox. Durch Betrachtung und Kommunikation der eigenen Unzufriedenheit gehoert man dann doch zu dieser Gemeinschaft ohne Gemeinschaftssinn, doch resultiert aus Negativitaeten kein Aufbau sondern mehr Frust und vielleicht der Wunsch nach Revolution.

Leider hilft der Konsum nicht wirklich ueber die fehlende Selbsterfuellung hinweg, hat als Kompensation jedoch seinen Zweck zur Ueberdauerung unangenehmer Selbstsituationen. Der Konsum birgt jedoch die Gefahr der Ueberkompensation in sich, wenn sich die selbstunerfuellte Person mit dem Konsum identifiziert und dieser anstelle ihrer Selbstentwicklungsmoeglichkeiten tritt. Die Konsumverruecktheit unserer Gesellschaft ist das Mass fuer die gesuchte Selbsterfuellung von meist Teilisolierten.

Dabei gilt die Teilisolierung als normal. Teilisolierte koennen nur schwerlich das Leben ohne Isolation verstehen, wobei diese ihnen nur vage zu Bewusstsein gelangt und demzufolge auch den mehr oder weniger Ganzisolierten nur schwerlich helfen. Leider interessieren sich die Beziehungsfaehigen, Vollintegrierten, nur wenig fuer Isolationsfragen, koennen diese kaum nachvollziehen. Die mehr oder weniger starke Isolisierungstendenz bestimmt somit die soziale Integration. Die Bewusstwerdung der eigenen faktischen aber meist wenig bewussten Isolierungstendenz verhilft somit automatisch zur Veraenderung in der familiaeren und gesellschaftlichen Stellung.

Durch den unbewussten Charakter der Isolierung ist ihre Veraenderung meist nur in therapeutischer Begleitung moeglich. Beziehung loest Isolierungsgefuehle auf, so einfach ist die wesentlichste psychologische Theorie, welche die meisten Kinder schon verstehen, sogar wenn sie noch am Rockzipfel haengen. Beziehungslosigkeit macht Angst. In den meisten Neurosen werden Aengste konserviert. Was bedeutet, dass Neurosen Beziehungsstoerungen sind.

Fuer alle Interessierten gibt es im grossen Fundus der Psychologie wesentliche Lebenserleichterungen zu finden. Beziehungstherapie ist im Wesentlichen das Aneignen des Wissens ueber Beziehungen und ihre Auswirkungen. Beziehungsfaehigkeit kann und muss erlernt werden, da selten ein Gegenueber perfekt ist in unseren Augen. Das Beziehungswissen kann auch nachgelernt werden.

Die Beziehungswelt entwickelt sich mit dem Lebensalter, das Basiswissen ueber Beziehungen bleibt fuer alle Lebensalter gleich. So koennen sich auch Generationen und Kulturen untereinander verstehen. Das Verstaendnis ist das Tor zur Beziehungswelt. Die Verstaendnisfaehigkeit kann durch verschiedene psychische Mechanismen eingeschraenkt sein. Fuer die Selbstbefreiung des Verstaendnisses und damit die Orientierungsmoeglichkeit in unserer Welt tut es gut, die wesentlichen psychischen Mechanismen zu kennen.

Ohne Beziehung kein Bewusstsein und keine Eigenverantwortung - keine Bedeutung und Symbolik. Das Bewusstsein ist immer relativ, also beziehungsgesteuert. Das Selbstbewusstsein entwickelt sich auf der Basis der Beziehungsfaehigkeit. Das psychologische Beziehungswissen bildet die Basis der individuellen Bewusstseinsentwicklung oder wenn noetig -therapie.

Die Entwicklung des Bewusstseins aus dem Unbewusstsein folgt der Individualitaet. Die Anpassung der Wahrnehmung und vor allem Eigenwahrnehmung ist der Schluessel zur Entwicklung und damit zur Basis fuer ein erfuelltes Leben.

Dort wo das Bewusstsein sich nicht nach den eigenen Beduerfnissen frei entfalten kann, fuehren die blockierten kreativen Lebensenergien zu Blockaden und Bewusstseinsabspaltungen und so zu einer fehlenden Verankerung in der Realitaet. Durch wiederholte Ueberforderung wie auch durch Bequemlichkeit koennen sich psychische Blockaden zu Bewusstseinsluecken entwickeln, die dann durch falsche Adaptation an die Umwelt oft zu Krankheitssymptomen fuehren, die sich aber psychologisch deuten und aufklaeren lassen.